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 Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid

Verlag Traugott Bautz
Quellen
von Text und Bild:

Band XX (2002)Spalten 1030-1032Johannes Kreuzenbeck

METTERNICH-BURSCHEID, Lothar Friedrich von, Erzbischof von Mainz, Bischof von Speyer und Worms; * 29. September 1617, † 3. Juni 1675. - Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid wurde am 29. September 1617 auf Burg Burscheid in Luxemburg geboren. Sein Vater, Gerhard von Metternich, Herr zu Burscheid und Esch, war Amtmann von Wittlich und Bruch. Seine Mutter Anna war eine geborene von der Leyen. - Bereits im Alter von acht Jahren wurde Lothar Friedrich Metternich-Burscheid im Jahre 1625 Domizellar in Trier. Dadurch war seine geistliche Laufbahn grundgelegt. Die Gymnasialausbildung erhielt Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid bei den Jesuiten in Pont-a-Mousson. Von dort kehrte er 1635 nach Trier zurück, nachdem er bereits 1631 auch Domizellar in Speyer geworden war. In Trier studierte er von 1635 bis 1636 und setzte seine Studien in Pont-a-Mousson fort. Nachdem er 1639 in Mainz Domizellar geworden war, ließ er sich 1640 zum Diakon weihen. Im gleichen Jahr wurde er Domkapitular in Trier, 1641 in Speyer und 1647 in Mainz. 1645 ernannte ihn der Erzbischof von Trier, Johann Philipp von Sötern, zum Domkustos. Auf dieses Amt verzichtete von Metternich-Burscheid im Jahre 1654 auf Grund seiner Ernennung zum "Cappelan" durch von Sötern. Am 11. April 1652 wurde Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid zum Bischof von Speyer gewählt. Das Ergebnis dieser Wahl kam aber nicht durch ein einstimmiges Votum zustande, sondern auf Grund eines "scrutinium mixtum cum compromisso". Am 11. Mai 1652 ergriff von Metternich-Burscheid Besitz vom Bistum Speyer und wurde am 24. Juni 1656 durch den Mainzer Weihbischof Johann Wolter von Streversdorf zum Bischof geweiht. Mit der Bestätigung der Wahl zum Bischof von Speyer verband der Papst die Verpflichtung, daß von Metternich-Burscheid den Speyerer Dom renovieren sollte. Ebenso war ihm aufgetragen, ein Priesterseminar zu errichten und Einrichtungen für mildtätige Aufgaben zu schaffen. - 1660 folgte seine Ernennung zum Domarchidiakon. Mit diesem Amt war der Titel eines Oberchorbischofs verbunden. Am 15. Dezember 1670 wählte das Mainzer Metropolitankapitel Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid zum Koadjutor des Mainzer Erzbischofs Johann Philipp von Schönborn. Dieser hatte seinen Koadjutor schon etliche Jahre zuvor für dieses Amt vorgesehen. Doch führten Unstimmigkeiten zwischen beiden dazu, daß von Schönborn seinen Neffen, Franz Georg von Schönborn, an seiner Seite haben wollte. Es zeigte sich aber sehr bald, daß dieser keine Aussichten hatte, gewählt zu werden. So kam von Schönborn doch wieder auf von Metternich-Burscheid zurück. Zwei Jahre später wurde von Metternich-Burscheid zum Domprobst in Mainz gewählt. Am 16. April des gleichen Jahres postulierte ihn das Wormser Domkapitel zum Koadjutor des Wormser Bischofs. Während die Bestätigung der Römischen Kurie für Mainz erst nach Klärung einiger Einwände, die gegen von Metternich-Burscheid vorgebracht wurden, erfolgte, ließ die Bestätigung für Worms nicht lange auf sich warten. Nach dem Tode Erzbischofs Johann Philipp von Schönborn im Jahre 1673, trat Lothar Friedrich von Metternich dessen Nachfolge in Mainz an. Am 16. April 1674 wurde er von Rom auch als Bischof von Worms bestätigt. - Seine Amtszeit als Erzbischof und Bischof war jedoch nur von kurzer Dauer. Lothar Friedrich verstarb am 3. Juni 1675. Sein Leichnam wurde im Mainzer Dom bestattet, während sein Herz im Dom zu Speyer beigesetzt wurde. - Die Amtszeit von Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid wurde durch die Nachwirkungen der Reformation und des dreißigjährigen Krieges (1618-1648) stark beeinträchtigt. Das Bistum Speyer war auf Grund der genannten Ereignisse arg in Mitleidenschaft gezogen. Der Klerus war fast völlig verweltlicht und machte dem geistlichen Stand wenig Ehre. Um diesen Mißstand zu beseitigen, sollte von Metternich-Burscheid ein Priesterseminar errichten, in dem ein Klerus herangebildet werden sollte, der der Würde des Priestertums durch einen sittlich-moralischen Lebenswandel und Eifer in der Seelsorge gerecht wurde. Doch konnte von Metternich-Burscheid diese ihm vom Papst auferlegte Verpflichtung wegen zuvieler Widerstände, die ihm insbesondere von protestantischer Seite bereitet wurden, nicht verwirklichen. Deshalb besetzte er vakant gewordene Pfarrstellen zunehmend mit Ordensprierstern, vor allem mit Kapuzinern. Auch der Weisung Roms, den Speyerer Dom zu renovieren, konnte von Metternich-Burscheid kaum nachkommen, weil die erforderlich finanziellen Mittel fehlten und auch nicht aufgebracht werden konnten. Und schließlich gelang es ihm auch nicht, die Religiösität seiner Diözesanen neu zu beleben. Das alles hinderte ihn aber nicht daran, das 40-stündige Gebet einzuführen und streng auf die Einhaltung der Kirchendisziplin zu achten. Die Mißerfolge, die Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid zu verzeichnen hatte, wurden vor allem durch seine Widersacher bewirkt, gegen die er sich nicht durchzusetzten vermochte.

Lit.: Braubach, M.: Politische Hintergründe der Mainzer Koadjutorwahl von 1670, in RhV 15/16 (1950/51), 313-338; - Jürgensmeier, Friedhelm, in: Gatz, E: Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches, Berlin 1990; - Remling, F.X. II, 514-553; - Müller, K.: Wien und Kurmainz. Christ, G.: Lothar Friedrich von Metternich-Burscheid, Erzbischof von Mainz, Bischof von Speyer und Worms, Aschaffenburg (1985); - Kreuzenbeck, Johannes: Die Apostolische Succession des Erzbischofs von Mainz und Bischofs von Speyer und Worms, in: Die Apostolische Succession der Bischöfe im Deutschen Sprachraum, Bd. 14 Bistum Speyer (in Vorbereitung), Bd. 21 Erzbistum/Bistum Mainz (in Vorbereitung), Bd. 30 Bistum Worms.

Johannes Kreuzenbeck